Elementar verbunden in einer offenen Wirklichkeit

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In diesem Blog schreibe ich Kommentare zu aktuellen politischen Ereignissen, zu kulturellen Debatten, zu Buchveröffentlichungen und zur Diskussion technischer Entwicklungen wie der Digitalisierung oder der Energiewende.

Ich bin Ingenieur und evangelischer Theologe. Beide Perspektiven sind mir wichtig und haben mich auch mein Leben geprägt. Mein Lebensweg verläuft zwischen der modernen Erforschung und Gestaltung der Welt auf der einen Seite und der Einsicht in die Begrenztheit aller menschlicher Erkenntnis und dem Vertrauen auf Gottes Verheißung auf der anderen Seite.

Im Laufe der Jahre ist mir die Einsicht immer wichtiger geworden, dass wir Menschen nicht die isolierten Einzelwesen sind, zu denen der aktuelle Zeitgeist uns gerne macht, ein Konzept, das Andreas Reckwitz mit dem Begriff „Singularität“ umschreibt. Unter anderem haben Erfahrungen mit der Vipassana Meditation mich davon überzeugt, wie wichtig es ist, die elementare Verbundenheit von uns Menschen zu betonen.

Doch was meint Verbundenheit? Sehr geholfen haben mir die philosophischen Ansätze von Maurice Merleau-Ponty und Bernhard Waldenfels, die danach fragen, was es bedeutet, dass wir leibliche Wesen sind. Wir stehen als leibliche Wesen der Welt nicht gegenüber (wie Subjekt und Objekt, wie in dem Schema zweier paralleler Linien: I I ), sondern sind elementar mit ihr verschränkt ( wie in dem Schema zweier überkreuzter Linien: X). Wir sind Teil der Welt, die wir zugleich betrachten. Das X ähnelt dem griechischen Buchstaben Chi. Merleau-Ponty hat unsere Verschränkung mit der Welt auch Chiasmus genannt. Wir sind in die Welt eingeflochten, wir sind mit der Umwelt und mit anderen Menschen elementar verbunden.

Die elementare Verbundenheit zeigt sich an ganz unterschiedlichen Stellen in unserem Leben. Soziale Verbundenheit zeigt sich in der Erfahrung der Solidarität. Sie hat immer auch eine politische Dimension, die mir in der Zeit als Mitarbeiter des Parteivorstands der SPD ebenso wichtig war wie als Leiter der Evangelischen Akademie im Rheinland. Aus ihr lassen sich Forderungen zu mehr Gerechtigkeit und Solidarität, zu mehr Nachhaltigkeit ableiten. Viele Beiträge des Blogs fragen, wie diese Bedingungen unserer leiblichen Existenz unter den Bedingungen moderner Gesellschaften möglich werden. So gehört zum Beispiel zu der Grundlage jeder menschlichen Gesellschaft ein elementares Vertrauen, eine Ressource, die schwer aufgebaut werden, aber leicht verloren gehen kann. Zur Diskussion von sozialer Verbundenheit.

Unsere leibliche Verbundenheit mit der Wirklichkeit verhindert, dass wir uns einen vollständigen Überblick über die Wirklichkeit verschaffen können. Weil wir in sie hineingeflochten sind, ist sie uns einfach zu nah. Wir können uns keinen vollständigen Überblick verschaffen. Unsere Wirklichkeitsbeschreibungen sind deshalb grundsätzlich unabgeschlossen: Zum Ansatz einer offenen Wirklichkeit.

Es geht darum, die vernachlässigte Dimension von Verbundenheit unserer leiblichen Existenz wieder in den Blick zu nehmen und neu zu entdecken, ohne die Errungenschaften der Moderne gering zu schätzen. Das ist eine zentrale Herausforderung unserer Kultur angesichts der Klimakrise und ihrer sozialen Folgen. Informationen zu meiner Arbeit an der Evangelischen Akademie im Rheinland finden sich hier: Mensch-Welt-Gott.

Frank Vogelsang

ps Oben ist ein Ausschnitt eines Bildes, das Paul Klee „Hauptwege und Nebenwege“ genannt hat. Viele Wege führen in die Zukunft, welchen wählen wir?

(Foto oben: Andrea Zmrzlak)

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