Elementar verbunden in einer offenen Wirklichkeit

Was bedeutet es, dass wir als leibliche Wesen verbunden sind mit anderen Menschen, verbunden mit der Umwelt? In welchem Verhältnis steht das zu den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Moderne? Welche Folgen haben die Erkenntnisse in einem Klimawandel, der soziale und ökologische Verwerfungen mit sich bringt? Welche Rolle hat in all dem der Glaube und das Vertrauen in Gott?

Zeitgemäße Antworten auf diese Fragen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen zwei Extremen, zwischen dem Pol einer distanzierten Wahrnehmung unserer Wirklichkeit durch Wissenschaft und Technik auf der einen Seite und dem Pol von Erfahrungen von elementarer Verbundenheit auf der anderen Seite.

Die gegenwärtige wissenschaftlich-technische Gesellschaft tendiert allerdings eindeutig zu der Seite der Distanz und Differenz und wertet die Seite der Verbundenheit aller höchstens als subjektive Ergänzung. Diese Bevorzugung hat Folgen: Menschen werden dadurch zu sich selbst verwirklichende Individuen in abstrakten gesellschaftlichen Systemen (Märkte). Formen langfristiger sozialer Verbundenheit werden in der Gesellschaft immer schwächer (Parteien, Gewerkschaften, Vereine, Kirchen). Unser Verhältnis zur Umwelt verengt sich auf einen technisch-objektivierenden Zugang. Das geschieht sogar auch in manchen Umwelt- und Klimadiskussionen. Unter den Voraussetzungen der wissenschaftlich-technischen Gesellschaft löst schließlich auch die Nachricht einer Verbundenheit mit Gott immer weniger Resonanz aus.

Die elementare Verbundenheit ist aber ein unauflöslicher Anteil unserer leiblichen Existenz. Sie zeigt sich in der sozialen Verbundenheit mit anderen Menschen, sie zeigt sich in  der Verbundenheit mit der Welt als der Mitwelt, sie zeigt sich in der Verbundenheit mit Gott in dem von ihm zugesagten Bund. Die elementare Verbundenheit als existentielle Größe ist nicht trivial. Aus ihr resultieren auch Konflikte, sie ist auch die Grundlage für Distanzierung. Alles Gegenüber, alle Konflikte stammen aber aus einer ursprünglichen Verschränkung, aus einer elementaren Verbundenheit. Dies deutet das Schema des Chiasmus (Chi – griechischer Buchstabe, ähnlich einem X) an: Von einem Zentrum der Verbundenheit streben die Linien zu einem Abstand, zu einer Distanz. Die unauflösliche Verbundenheit verhindert zudem, dass wir uns einen vollständigen Überblick über die Wirklichkeit verschaffen können, unsere Wirklichkeitsbeschreibungen sind grundsätzlich offen, nie letztgültig und abgeschlossen.

Es geht darum, die vernachlässigte Dimension von Verbundenheit unserer leiblichen Existenz wieder in den Blick zu nehmen und neu zu entdecken, ohne die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Moderne zu ignorieren. Das ist die Herausforderung unserer Kultur angesichts der Klimakrise und ihrer sozialen Folgen. Der Glaube an Gott hilft, die elementare Bedeutung von Verbundenheit wieder zu entdecken.

Zum Ansatz einer „offenen Wirklichkeit“

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