
Unsere Welt ändert sich in dieser Zeit grundlegend. Manche Nachrichten sind erfreulich, aber viele sind verstörend. Was geschieht hier? Wir wissen es nicht genau. Zuviel geschieht auf einmal, es gibt keine klare Linie.
Woher kommt die Kraft, sich auf das Neue auszurichten?
Es fällt heute immer schwerer, sich zu orientieren. Sicher geglaubte Überzeugungen geraten ins Wanken. Das gilt vor allem für unsere positiven Zukunftserwartungen. Unsere Gesellschaft war bislang durch und durch geprägt von einem Modernitäts- und Fortschrittsdenken. Die Zukunft wird besser: Mehr Wohlstand und mehr Freiheit.
Doch das verliert zunehmend an Überzeugungskraft. Der technische Fortschritt durch künstliche Intelligenz, durch Robotik und Raumfahrt erscheint den meisten sehr ambivalent. Auch Expertinnen und Experten sprechen Warnungen aus. Die ökologische Krise erscheint unausweichbar.
Hinzu kommt eine große Zahl unterschiedlicher Krisen und Kriege in der Welt. Darüber hinaus erhalten populistische Bewegungen immer mehr Zulauf, die den Weg zurück in eine vermeintlich bessere Vergangenheit suchen und die demokratischen Strukturen der Gesellschaft gefährden.
Die Kraft des Vertrauens ermöglicht einen gesellschaftlich-kulturellen Wandel
Die Herausforderung, vor denen wir aktuell stehen, ist fundamental. Es geht um nichts weniger als einen tiefgreifenden gesellschaftlich-kulturellen Wandel. Worauf können wir setzen, wenn uns das gewohnte Fortschrittsdenken verlässt?
Auch in unübersichtlichen Zeiten gibt es eine Kraft, die sich immer wieder neu manifestiert: Die Kraft des Vertrauens. Dieses Vertrauen erleben wir, auch wenn wir es gar nicht anstreben. Dieses Vertrauen ist schon da, bevor wir einen Entschluss fassen, bevor wir Zukunft planen. Die Kraft dieses Vertrauens resultiert aus unserer immer schon bestehenden Verbundenheit mit der Welt, mit anderen Menschen, mit Gott.
Das Vertrauen in die Welt hat Kraft. Wir können handeln und sie zu einem besseren Ort machen. Dabei sind Wissenschaft und Technik nach wie vor wichtig, auch wenn wir ihnen nicht unbesehen folgen, auch wenn wir von ihnen nicht das Heil erwarten.
Das Vertrauen in andere Menschen hat Kraft. Sozialer Zusammenhalt und Solidarität sind die wichtigste Ressource für eine Politik der Zukunft. Das beseitigt nicht gesellschaftliche Konflikte, sie waren und sind Teil des gesellschaftlichen Wandels. Das Vertrauen in soziale Verbundenheit aber setzt Kräfte frei.
Das Vertrauen zu Gott hat Kraft. Das Vertrauen findet hier seinen existentiellsten Ausdruck und gewinnt die größte Kraft. Es findet seinen Ausdruck in dem Glauben und der Liebe. Für Christinnen und Christen geht dieses Vertrauen auch über den Tod hinaus.
Fortschreiten in der Kraft des Vertrauens statt eines unaufhaltsamen Fortschritts.
„Fortschreiten statt Fortschritt“ hält an der Zukunftsorientierung fest, aber ist vorsichtiger in der Erwartung. Viele biblische Texte kennen die Verheißungen Gottes, aber sie wissen auch von weitläufigen Abwegen und Umwegen, die Menschen gehen.
Es gibt Gebete, die um Orientierung bitten. Ein bekanntes Gebet ist das Gelassenheitsgebet, das Reinhold Niebuhr zugeschrieben wird, einem amerikanischen Theologen des 20. Jahrhunderts, der sich zeitweise stark in den Social-Gospel-Bewegung engagiert hat. Das Gebet lautet:
„Gott, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
Die Kraft des Vertrauens zeigt sich in dieser Gelassenheit, diesem Mut und dieser Weisheit.
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Einige Informationen über diesen Blog
Die Schwerpunktthemen dieses Blogs variieren, gemeinsam ist den Themen die Beschäftigung mit den Grenzen und der Endlichkeit menschlicher Existenz.
2025 ging es um den Himmel im Gegenüber zur Erde, um Transzendenz in unserer Welt und die christliche Hoffnung für die Welt.
Im Jahr 2024 hatten die Einträge dieses Blogs die Hoffnung zum Thema.
In den älteren Beiträgen bis Mitte 2023 standen unterschiedliche Themen, politische Ereignissen, kulturelle Debatten, und die Diskussion technischer Entwicklungen wie der Digitalisierung oder der Energiewende im Mittelpunkt.
Frank Vogelsang
Hinweis:
Das χ im Titel des Blogs weist auf unsere elementare Verbundenheit mit der Welt und mit anderen Menschen hin. Es ist der griechische Buchstabe Chi, den der Philosoph Maurice Merleau-Ponty für die Verflochtenheit von Mensch und Welt gebraucht hat. Zugleich weist der Buchstabe seit alters her auch auf Jesus Christus.
(Foto: Avess Berge auf Unsplash)