Zur Gelassenheit (4)

Es scheint nichts einfacher zu sein, als gelassen zu leben. Nichts besonderes ist vonnöten, keine besonderen Hilfsmittel, keine explizite Bildung, kein körperliches Training. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass Gelassenheit eine sehr voraussetzungsreiche und schwer zu erlangende Fähigkeit ist. Gelassenheit ist die Fähigkeit, sich von Handlungsimpulsen zu distanzieren, ohne aber in Passivität abzugleiten.

Das Gelassenheitsgebet

Es macht deshalb Sinn, dass es Gebete gibt, die um Gelassenheit bitten. Ein bekanntes Gebet ist das Gelassenheitsgebet, das Reinhold Niebuhr zugeschrieben wird, einem amerikanischen Theologen des 20. Jahrhunderts, der sich zeitweise stark in den Social-Gospel-Bewegung engagiert hat. Das Gebet lautet:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Worum das Gebet bittet

Das Gebet bittet um etwas, was die Beterin, der Beter offenkundig nicht selbstverständlich zur Verfügung hat. Was ist es, das Probleme macht? Das Gebet bittet um dreierlei: Um Gelassenheit, um Mut und um Weisheit. Es lässt sich vermuten, dass es besonders auf die dritte Bitte zielt, auf die Weisheit der Unterscheidung.

Abwege

Zwei entgegengesetzte Haltungen, die die Unterscheidung von Gelassenheit und Mut vermeiden, scheinen leichter zu sein. Die eine ist die des Pessimismus, der die Hoffnung aufgibt, resigniert und schließlich aufhört zu handeln. Die andere ist im Gegensatz dazu die des uneingeschränkten Optimismus, der davon ausgeht, dass sich jedes Problem lösen lässt, wenn nur genügend Anstrengung aufgewendet wird.

Die Kunst der Unterscheidung

Die Weisheit vermeidet beide Extreme. Sie erkennt an, dass manche Gegebenheiten verändert werden können und verändert werden sollten, während andere angenommen werden müssen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, den Unterschied zu erkennen.

Gelassenheit ist auf die Weisheit der Unterscheidung und den Mut angewiesen. Denn, wenn der Mut zum Handeln fehlt, gibt es auch keine Gelassenheit, sondern nur Resignation. Umgekehrt lässt sich aber auch sagen: Die Weisheit ist auf Gelassenheit und Mut angewiesen. Eine Weisheit, die die Kunst der Unterscheidung beherrscht, die aber daraus aber nicht die angemessene Konsequenz zieht, ist keine Weisheit, sondern nur eine intellektuelle Übung.

Die Kunst der Balance

Das Gebet zeigt, dass Gelassenheit, Mut und Weisheit eng zusammengehören. Sie bilden ein Mobile, das sich in einer fragilen Balance befindet. Fehlt einer der drei Teile, gerät das Ganze aus der Balance und wird schief. Dann gehen auch die anderen Teile verloren.

Zur Gelassenheit (3)

Die beiden vorigen Blogeinträge machen deutlich: Gelassenheit ist weit mehr als eine alltägliche Lockerheit, sie ist keine Wellness Strategie. Sie ist eine existentielle Ausrichtung, die dazu führt, die ganze Welt anders zu sehen. Die Gelassenheit nimmt Abstand von der Fixierung auf die technische Gestaltung der Welt, von der Fixierung auf das Machbare, auf das Veränderbare. Sie ist bestimmt von der Erkenntnis, dass die Welt bei aller Gestaltbarkeit von einem unauflösbaren Geheimnis geprägt ist, sie ist eine offene Wirklichkeit.

Handeln in Gelassenheit

Die Unauflösbarkeit des Geheimnisses ist jedoch kein Grund, alles zu einem Geheimnis zu erklären, alles zu mystifizieren. Gelassenheit im hier vertretenen Sinne geht mit der Kraft zur weisheitlichen Unterscheidung einher. Auch wenn das Geheimnis, die Offenheit der Wirklichkeit auf alles abfärbt, so ist doch nicht alles einerlei. Zur Gelassenheit gehört auch die Fähigkeit, das zu tun, was getan werden kann, was getan werden muss, etwa um ein Unheil abzuwenden oder eine Situation zu verbessern, zur Gelassenheit gehört auch eine tätige Auseinandersetzung mit der Welt.

Maria und Marta

Das war insbesondere Meister Eckhart wichtig, was er in einer eigenwilligen Auslegung der neutestamentlichen Erzählung von Maria und Marta zum Ausdruck brachte. Jesus kehrt bei Maria und Marta ein. Während Maria sich zu Jesus setzt und seiner Predigt zuhört, ist Marta beschäftigt. Die Erzählung endet mit der Mahnung Jesu: „Marta, Marta Du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber tut not. Maria aber hat das gute Teil erwählt.“ (LK 10, 41f) Die Aussageabsicht scheint eindeutig: Es ist besser, wie Maria der Rede Jesu zuzuhören, als sich aktiv auf die Welt einzulassen, wie Marta es tut.

Die Auslegung von Meister Eckhart

Doch Meister Eckhart gibt der Geschichte eine überraschende Deutung: Nicht Maria ist vorbildlich, sondern Marta! Nach seiner Auslegung hat Marta die größere Souveränität, denn sie hat die Lehre Jesu schon so verinnerlicht, dass sie sie auch in Sorge und Mühe lebt. Maria ist zu loben, weil sie sich auf die Lehre einlässt, Marta dagegen lebt die Lehre schon. Die vollendete Maria wird dann wie Marta in ihrem tätigen Leben die Lehre beherzigen.

Gelassenheit in Sorge und Mühe

Diese Auslegung zeigt, dass Gelassenheit im Sinne Eckharts in keiner Weise Weltabgeschiedenheit meint, sondern die Fähigkeit, sich ganz und gar auf die Welt einzulassen, jedoch so, dass sie nicht vereinnahmt. Die Haltung der Gelassenheit, von Meister Eckhart auch Abgeschiedenheit genannt, qualifiziert ein bestimmtes Weltverhältnis. Die Welt ist nicht einerlei, wer gelassen ist, lebt nicht in anderen Sphären, sondern vielmehr mitten in der Welt der Sorgen und Mühen. Aber auf eine solche Weise, dass die Sorgen und Mühen der Welt erheblich relativiert sind.

Gelassenheit entspringt dem Glauben an Gott

Gelassenheit in diesem Sinne weiß, bei aller Gestaltung der Welt, bei allem Gebrauch von Technik von dem unauflöslichen Geheimnis, das durch keine Technik aufgehoben werden kann. Die Wirklichkeit ist eine offene, das heißt auch unergründliche Wirklichkeit. Für Meister Eckhart sind Gelassenheit und Abgeschiedenheit Ausdrücke einer existentiellen Beziehung zu Gott. Die Welt ist unergründlich, weil sie Schöpfung Gottes ist. Die Beziehung zu Gott verändert die Beziehung zu der Welt. Sie entwertet sie nicht, aber sie qualifiziert sie auf neue Weise. Die Beziehung zu Gott beweist sich nach Meister Eckhart gerade in den Mühen und Sorgen der Welt.

 Zur Gelassenheit (2)

Der vorige Eintrag in diesem Blog macht deutlich: Die Haltung der Gelassenheit lässt sich in Beziehung setzen zu der Unterscheidung zwischen dem, was veränderbar ist und dem, was nicht veränderbar ist, einem gleichzeitigen Ja und Nein zur technisch verstandenen Welt. So hat Heidegger den Begriff in seiner Meßkirch-Rede verwendet.

Offenheit für das Geheimnis

Aber das ist in gewisser Weise nur die Spitze des Eisbergs. Denn Gelassenheit hat eine existentielle Tiefe, sie ist nicht mit Klugheit zu verwechseln. Auch bei Heidegger klingt das an, denn Gelassenheit ist auch die Offenheit für das Geheimnis. Das Geheimnis der Welt ist kein lösbares Rätsel, sondern zeigt, dass die Welt eine Unergründlichkeit hat. Wenn dem so ist, wie sollen wir mit der Unergründlichkeit umgehen?

Gelassenheit bei Meister Eckhart

Die fundamentale Dimension von Gelassenheit hat derjenige betont, der das Wort Gelassenheit das erste Mal explizit in der deutschen Sprache verwendet hat: Meister Eckhart. Bei ihm ist Gelassenheit eine fundamentale Haltung zu der der Mensch fähig ist. Was bezeichnet er mit dem Wort? In der Gelassenheit lässt der Mensch von seinen weltlichen Bindungen und seiner Selbstbindung und ist ganz von Gott bestimmt. „In Gott wird das Leben einfach, weil es ganz bei sich selber ist. Auf dieses Dasein kommt es an. Man muss nichts ‚verlassen‘, man muss ‚gelassen‘ sein.“ (Dietmar Mieth, Meister Eckhart 2025, 44)

Gelassenheit ist radikal

Gelassenheit bekommt hier eine fundamentale, existentielle Qualität. Es geht nicht um eine Mehr oder Weniger, es geht nicht um eine Klugheitsregel. Es ist radikal, es geht vielmehr um ein ganz oder gar nicht. Entweder wir hängen der Welt und dem Selbstwillen an oder wir werden davon völlig frei und hängen Gott an.  Meister Eckhart kennt da keine Vermittlung, keine Kompromisse. Die menschliche Seele muss leer werden von allem Weltlichen und aller Ichsucht und sich ganz auf Gott beziehen.

Gelassenheit in diesem Sinne ist eine Umkehr der gewohnten Sichtweise, sie beruht nicht eine Unterscheidung innerhalb der Welt, der Unterscheidung von dem, was veränderbar ist und dem, was nicht veränderbar ist. Sie ist eine Abwendung von der Welt, wie wir sie kennen, das Ziel ist „Abgeschiedenheit“ oder eben „Gelassenheit“.

Die ganze Wirklichkeit zeigt sich anders

Nun ist die Sicht Meister Eckharts die eines christlichen Mystikers aus dem Mittelalter. Was hat das mit uns heute zu tun? Seine schroffe und radikale Sichtweise hilft, in Bezug auf Gelassenheit eine Warnung auszusprechen. Wenn wir ernsthaft von einer Wirklichkeit reden, die aus fundamentalen Gründen nicht vollständig beherrschbar ist, dann ist das nicht eine Kleinigkeit am Rande. Die Wirklichkeit im Ganzen sieht anders aus, auch das Beherrschbare erscheint anders.  „Die Offenheit für das Geheimnis“, von der Heidegger spricht, zeigt nicht harmlos an, dass nicht alles verstanden ist. Das Geheimnis färbt auch auf das ab, was verstanden ist, das Verstandene verliert seine Selbstverständlichkeit.

Gelassenheit: Brauchen und nicht brauchen

In einem Text von Paulus in der Bibel heißt es: „Die Zeit ist kurz. Auch sollen die (…) die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht.“ (1. Kor 7, 29ff) Auch hier ist von einer scheinbar bekannten Welt die Rede. Doch die verliert angesichts des Evangeliums, der frohen Botschaft, ihre Selbstverständlichkeit. Die Texte von Paulus, Meister Eckhart und Heidegger zeigen, welche Konsequenz eine weisheitliche Gelassenheit hat, die mit dem Geheimnis, mit dem Unverstandenen, mit dem Unverstehbaren rechnet und es von dem Verstehbaren unterscheidet. Diese Gelassenheit klammert auch die Bedeutung der verstehbaren Dinge ein, sie relativiert sie.  

(6) Der Himmel und das Jenseits

In der christlichen Tradition gab es schon sehr früh eine Verbindung des Himmels mit Jenseitserwartungen, mit Vorstellungen vom Leben nach dem Tod. In den ersten christlichen Gemeinden wird schnell der Himmel zu dem Ort, zu dem der auferstandene Christus aufgefahren ist. Es ist auch der Ort, der den Christinnen und Christen nach der künftigen Auferstehung eine neue Heimat bieten wird: „Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch, der zweite Mensch ist vom Himmel.“ (1 Kor 15,47) Die Vorstellungen über die zukünftige himmlische Existenz werden aber ebenso wenig ausgemalt wie die Existenz des auferstandenen Christus zur Rechten Gottes. Der Himmel hat hier die Funktion des Jenseits.

Der Himmel als Jenseits

Die Vorstellungen des Himmels als Ort des Jenseits, als der Ort, an dem die Toten bei Gott sind, hat sich in der christlichen Tradition immer mehr durchgesetzt. Himmel und Jenseits verschmolzen miteinander. Bernhard Lang und Colleen McDannell haben ein wichtiges umfassendes Buch über die Kulturgeschichte des Himmels in christlichen Vorstellungen geschrieben („Der Himmel. Eine Kulturgeschichte des ewigen Lebens, Frankfurt am Main 1996) Entscheidend ist die Botschaft: Wie auch immer die Existenz nach der Auferstehung sein wird, es wird eine himmlische Existenz in der ungehinderten Nähe Gottes sein, das ewige Leben knüpft an die Vorstellungen vom Himmel an.

Die Vorstellung vom Himmel als Jenseits ist aber eine Engführung gegenüber der Vielfalt der biblischen Vorstellungen. Denn dort überwiegen die Hinweise auf den Himmel als Teil dieser Schöpfung, als deren besonderer Teil, nicht als das etwas Jenseitiges.

Himmel als Nähe Gottes

In den bisherigen Blogbeiträgen war von dem diesseitigen Himmel die Rede, der auch schon eine Nähe und Präsenz Gottes zum Ausdruck bringt.

 Wie verhalten sich die Vorstellungen des Himmels als Jenseits mit den bisher in diesem Blog besprochenen Vorstellungen vom Himmel? In den bisherigen Überlegungen war der Himmel ein Ort der besonderen Nähe Gottes, aber er war ganz klar zugleich Teil der Schöpfung, in der wir jetzt schon leben. Er wies auf die schiere Größe des Universums und damit indirekt auf die Herrlichkeit des Schöpfers, aber er war nicht das unbekannte Jenseits.

Alter Himmel, neuer Himmel?

In der Apokalypse des Johannes zeigt sich, dass die Rede vom Himmel schon in den biblischen Texten nicht einheitlich ist. Am Ende allen Geschehens kommt es zu einer neuen Schöpfung, eines neuen Himmels und einer neuen Erde (Apk 21, 1.2). Bedeutet das aber, dass auch der Himmel veränderungsbedürftig ist, dass es vorher einen „alten“ Himmel gab? Hier ist eine Doppelbedeutung angelegt, die sich bis heute auswirkt.

Ein Kernanliegen dieser Blogbeiträge ist es, jene biblischen Vorstellungen vom Himmel wieder zu entdecken, die nicht gleich mit den Jenseitsvorstellungen überfrachtet werden. Vielleicht ist es ganz gut zwischen Himmel1 und Himmel2 zu unterscheiden.

Himmel1 als Ort der Nähe Gottes in dieser Schöpfung

Himmel1 ist Ort der Nähe Gottes. Er ist Teil der Schöpfung und sehr viele biblische Texte beziehen sich auf ihn. Er ist ein Ort der besonderen Nähe Gottes, er ist aber er steht nicht einfach für das Jenseits. Wenn der Turmbau zu Babel den Himmel zu erreichen versucht, wenn Jakob die Himmelsleiter im Traum sieht, wenn Jesaja im Tempel den Thron Gottes erahnt, der in den Himmel ragt, wenn Mose und Jesus auf hohe Berge steigen, um Gott nah zu sein, dann ist stets der Himmel1 gemeint, jener Himmel, der ganz fraglos Teil der Schöpfung ist als Gegenüber und in steter Spannung zur Erde.

Himmel2 als Jenseits

Wenn im Glaubensbekenntnis von dem Himmel die Rede ist, zu dem der Auferstandene aufsteigt, wenn der Himmel der Ort ist, an dem die Menschen nach ihrem Tode sind, dann ist vom Himmel2 die Rede. Der Himmel2 kann mit dem Jenseits identifiziert werden. Natürlich ist auch da eine Nähe Gottes, sogar auf besondere, auf endgültige Weise. Aber dieses Jenseits steht in keinem definierten Verhältnis zur Schöpfung, in der wir leben.

Beide Reden vom Himmel haben eine Bedeutung. Die Rede vom Himmel1 als Teil der Schöpfung aber hat die Fähigkeit, sogar an die naturwissenschaftliche Beschreibung des Universums anzuknüpfen. Das haben die bisherigen Beiträge gezeigt. Der Himmel2 dagegen will Aussagen über die Existenz nach dem Tode, nach der Auferstehung verorten.

Wäre es also nicht an der Zeit, einmal das wieder zu entdecken, was der Himmel1 meint? Er bezeugt: Die Nähe Gottes beginnt nicht im Jenseits!

Zum vorangegangenen Beitrag zum Thema Himmel/Reich Gottes

Zum folgenden Beitrag zum Thema Himmel/Reich Gottes

(5) Der Himmel – der faszinierend große Raum über uns.

Der Himmel hat die Menschheit immer schon beschäftigt. Für uns, die Menschen der Moderne, ist er das Fenster zu den gossen Weiten des Universums. Er ist der uns sichtbare Teil eines unglaublich großen Raums.

Das Universum als umfassende Größe

Dieser Raum ist schon deshalb ausgezeichnet, weil es keinen größeren gibt. Die frühen Weltbilder der europäischen Zivilisation waren geozentrisch. Das heißt, die Erde stand im Mittelpunkt des Kosmos, alles war auf sie ausgerichtet. Die modernen Wissenschaften haben diese Vorstellung deutlich relativiert. In gewisser Weise hat nun das Universum die Rolle der Erde übernommen, nun ist es das Universum, das eine letztgültige Bezugsgröße darstellt, die sich etwa in der Datierung des „Urknalls“ und der Ausmessung der Hintergrundstrahlung manifestiert.

Die bleibende Faszination

Auch durch die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Universum ist also der ehrfürchtige Blick der Menschen „nach oben“ nicht passé. Die bleibende Faszination lässt sich auch an der Resonanz ablesen, die neuer Erkenntnisse über das Universum auslösen. Aktuelle astrophysikalische Erkenntnisse wie die Ausmessung ferner schwarzer Löcher finden stets großes Interesse.

Anschauen des Universums

Die bleibende Ehrfurcht vor dem Himmel ist bei weitem nicht immer religiös, aber sie hat eine große Nähe zu religiösen Traditionen. Der Himmel, das von uns „angeschaute Universum“ ist auch für die christliche Religion von großer Bedeutung. Die zentrale These des jungen Theologen Friedrich Schleiermacher in seinen Reden „Über die Religion“, die schon über 200 Jahre alt sind, lautet: „Anschauen des Universums, ich bitte befreundet Euch mit diesem Begriff (…) er ist die allgemeinste und höchste Formel der Religion (…).“

Gottes Schöpfungsmacht

Die biblischen Texte bestätigen die Bedeutung des Himmels. In vielfältiger Variation machen sie deutlich, dass die irdischen Verhältnisse nicht ohne den Bezug zum Himmel verstanden werden können. Der Himmel steht für eine göttliche Nähe in der Schöpfung. Gott ist nicht ein abstrakter Gott (jene höhere Macht, die wir alle verehren…), sondern derjenige, der die Schöpfung in der Zweiteilung von Himmel und Erde geschaffen hat und der in der Gestalt des Jesus von Nazareth auf die Erde gekommen ist.

Unterscheidung von heaven und sky?

Aber muss heute nicht klar zwischen dem wissenschaftlichen Himmel (sky) und dem religiösen Himmel (heaven) unterschieden werden? Die beschriebene Faszination und Ehrfurcht gegenüber dem Universum zeigen: Der Himmel ist auch heute kein neutraler Raum, der die Erde einfach umhüllt. So kann auch der Himmel als wissenschaftlich beschriebenes Universum als Ort göttlicher Präsenz wahrgenommen werden. Es ist dann ein Ausweis für die den Menschen weit übersteigende Dimensionen, sie kann so ein Hinweis sein für die Schöpfermacht Gottes. Wer so auf das Universum blickt, die und der sieht auch das Leben auf der Erde anders.

Zum vorangegangenen Beitrag zum Thema Himmel/Reich Gottes

Zum folgenden Beitrag zum Thema Himmel/Reich Gottes