Der Himmel hat die Menschheit immer schon beschäftigt. Für uns, die Menschen der Moderne, ist er das Fenster zu den gossen Weiten des Universums. Er ist der uns sichtbare Teil eines unglaublich großen Raums.
Das Universum als umfassende Größe
Dieser Raum ist schon deshalb ausgezeichnet, weil es keinen größeren gibt. Die frühen Weltbilder der europäischen Zivilisation waren geozentrisch. Das heißt, die Erde stand im Mittelpunkt des Kosmos, alles war auf sie ausgerichtet. Die modernen Wissenschaften haben diese Vorstellung deutlich relativiert. In gewisser Weise hat nun das Universum die Rolle der Erde übernommen, nun ist es das Universum, das eine letztgültige Bezugsgröße darstellt, die sich etwa in der Datierung des „Urknalls“ und der Ausmessung der Hintergrundstrahlung manifestiert.
Die bleibende Faszination
Auch durch die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Universum ist also der ehrfürchtige Blick der Menschen „nach oben“ nicht passé. Die bleibende Faszination lässt sich auch an der Resonanz ablesen, die neuer Erkenntnisse über das Universum auslösen. Aktuelle astrophysikalische Erkenntnisse wie die Ausmessung ferner schwarzer Löcher finden stets großes Interesse.
Anschauen des Universums
Die bleibende Ehrfurcht vor dem Himmel ist bei weitem nicht immer religiös, aber sie hat eine große Nähe zu religiösen Traditionen. Der Himmel, das von uns „angeschaute Universum“ ist auch für die christliche Religion von großer Bedeutung. Die zentrale These des jungen Theologen Friedrich Schleiermacher in seinen Reden „Über die Religion“, die schon über 200 Jahre alt sind, lautet: „Anschauen des Universums, ich bitte befreundet Euch mit diesem Begriff (…) er ist die allgemeinste und höchste Formel der Religion (…).“
Gottes Schöpfungsmacht
Die biblischen Texte bestätigen die Bedeutung des Himmels. In vielfältiger Variation machen sie deutlich, dass die irdischen Verhältnisse nicht ohne den Bezug zum Himmel verstanden werden können. Der Himmel steht für eine göttliche Nähe in der Schöpfung. Gott ist nicht ein abstrakter Gott (jene höhere Macht, die wir alle verehren…), sondern derjenige, der die Schöpfung in der Zweiteilung von Himmel und Erde geschaffen hat und der in der Gestalt des Jesus von Nazareth auf die Erde gekommen ist.
Unterscheidung von heaven und sky?
Aber muss heute nicht klar zwischen dem wissenschaftlichen Himmel (sky) und dem religiösen Himmel (heaven) unterschieden werden? Die beschriebene Faszination und Ehrfurcht gegenüber dem Universum zeigen: Der Himmel ist auch heute kein neutraler Raum, der die Erde einfach umhüllt. So kann auch der Himmel als wissenschaftlich beschriebenes Universum als Ort göttlicher Präsenz wahrgenommen werden. Es ist dann ein Ausweis für die den Menschen weit übersteigende Dimensionen, sie kann so ein Hinweis sein für die Schöpfermacht Gottes. Wer so auf das Universum blickt, die und der sieht auch das Leben auf der Erde anders.