(1) Vertrauen ist notwendig für die menschliche Existenz

Warum vertrauen wir anderen Menschen? Könnten wir es nicht auch sein lassen? So lange wir miteinander handeln, so lange ist Vertrauen eine unumgängliche Dimension unseres Handelns. Und: als Menschen sind wir angewiesen darauf, miteinander zu handeln.

Die Bedingungen der leiblichen Existenz

Ein einzelner Mensch, der völlig autark leben wollte, bräuchte auf erstem Blick kein Vertrauen zu anderen Menschen. In dieser Vorstellung spiegelt sich ein zentrales und sehr mächtiges Leitbild unserer Zeit. Aber, um überleben zu können, braucht jeder Mensch Artefakte, die ihm das Überleben ermöglichen. Ein Einzelner kann nicht alles vollständig neu erfinden. Hier zeigt sich eine fundamentale Abhängigkeit. Diese Abhängigkeit ist Ausdruck unserer leiblichen Existenz. Als leibliche Wesen sind wir bedürftige, verletzlich und so auch abhängige Wesen. Alle Fantasien, die von der Autarkie einzelner Menschen ausgehen, ignorieren diese Bedingungen der leiblichen Existenz.

Menschen als Mängelwesen

Wir Menschen sind Mängelwesen. Unsere dürftige biologische Ausstattung hat zur Folge, dass wir nicht überleben, wenn wir nicht die Unterstützung anderer Menschen, wenn wir eine Unterstützung durch Artefakte zur Verfügung haben. Zu den Artefakten gehört schon die Kleidung, aber auch Werkzeuge und die Fähigkeit, verlässlich Feuer zu machen. Also braucht jeder Mensch entweder direkte Hilfe durch andere Menschen oder aber indirekt durch die Hilfe von Artefakten, die wiederum auch durch andere Menschen entwickelt und bereitgestellt worden sind. Dies gilt ausdrücklich auch für einen fähigen, aktiven erwachsenen Menschen, der sich in vielem auch selbst helfen kann.

Der Mensch in seinen bedürftigen Lebensphasen

Tatsächlich ist unsere menschliche Situation aber noch viel prekärer. Wir kommen auf die Welt als vollständig Abhängige. Die Abhängigkeit in den ersten Lebensjahren kann prinzipiell nicht beseitigt werden. Ohne andere Menschen haben wir nicht einmal die Möglichkeit, den Beschluss zu fassen, unabhängig leben zu wollen. Kann man aber nicht die Fürsorge durch Technik ersetzen? Vielleicht ist das irgendwann möglich, aber dann verlagert sich die Fürsorge nur auf die Gestaltung der Technik, die die unmittelbare Fürsorge ersetzt. Andere Phasen des gesteigerten Angewiesenseins auf andere Menschen sind das Alter und die Krankheit. All das zeigt: Vertrauen ist ein Grundelement menschlicher Existenz.

Vertrauen ermöglicht Kultur

Das Bedeutung des Themas Vertrauen lässt sich nicht nur über die Betonung des Mangels und der Bedürftigkeit deutlich machen, sondern auch über die positive Fähigkeit zur menschlichen Kultur. Der Anthropologe Michael Tomasello hat zeigen können, dass die Fähigkeit zu gemeinsamem Handeln nicht nur der Kompensation von Mängeln geschuldet ist, sondern auch zu einer Explosion menschlicher Möglichkeiten und Fähigkeiten geführt hat. Tomasello nennt dies den Wagenheber Effekt, der die Spezies Mensch von allen anderen Spezies unterscheidet. Der Effekt beruht auf der Fähigkeit der geteilten Intentionalität.

Geteilte Intentionalität

Was heißt das? Tiere können sich auch in ihrem Verhalten auf ein gemeinsames Objekt beziehen. So warnen Vögel Artgenossen durch ihren Ruf, wenn ein Fressfeind sich nähert. Sie beziehen sich auf dasselbe Objekt, auf dasselbe Gegenüber. Beim Menschen aber kommt noch etwas hinzu, nämlich das Wissen darum, dass das Gegenüber die gleiche Intention hat. Dadurch wird die geteilte Intentionalität sehr viel variantenreicher. So ist es möglich, sich in gleicher Weise auf ein imaginäres Objekt zu beziehen. Es ist möglich, sich in gleicher Weise auf ein abwesendes Objekt zu beziehen. Menschen warnen nicht nur aktuell vor Fressfeinden, sondern können auch überlegen, wie sie das nächste Mal ein besseres Warnsystem aufbauen können.

Geteilte Intentionalität als Keimzelle der Kulturentwicklung

Tomasello sieht in der geteilten Intentionalität die Keimzelle menschlicher Kulturentwicklung. Und damit ist von Beginn an das Vertrauen gesetzt. Denn die geteilte Intentionalität könnte ja auch nur vorgetäuscht sein. Jeder Mensch ist sich bewusst, dass die, der andere eine Vorstellung von den eigenen Absichten hat.  So lassen sich die Absichten aber auch vortäuschen, zu den eigenen Gunsten und zum Nachteil der anderen. Jede kulturelle Entwicklung beruht also auch auf dem Vertrauen, dass andere Menschen ihre Intentionalität nicht nur vorspielen.

Vertrauen korreliert mit menschlicher Verbundenheit

In der negativen Wendung (die Bedürftigkeit und Abhängigkeit der Menschen) wie in der positiven Wendung (die Fähigkeit zu einer komplexen kulturellen Entwicklung) zeigt sich, wie elementar das Vertrauen für die menschliche Existenz ist. Sie ist ein Ausdruck unaufhebbarer menschlicher Verbundenheit. Zu der Frage menschlicher Verbundenheit gibt es hier mehr Informationen.

(5) Der Himmel – der faszinierend große Raum über uns.

Der Himmel hat die Menschheit immer schon beschäftigt. Für uns, die Menschen der Moderne, ist er das Fenster zu den gossen Weiten des Universums. Er ist der uns sichtbare Teil eines unglaublich großen Raums.

Das Universum als umfassende Größe

Dieser Raum ist schon deshalb ausgezeichnet, weil es keinen größeren gibt. Die frühen Weltbilder der europäischen Zivilisation waren geozentrisch. Das heißt, die Erde stand im Mittelpunkt des Kosmos, alles war auf sie ausgerichtet. Die modernen Wissenschaften haben diese Vorstellung deutlich relativiert. In gewisser Weise hat nun das Universum die Rolle der Erde übernommen, nun ist es das Universum, das eine letztgültige Bezugsgröße darstellt, die sich etwa in der Datierung des „Urknalls“ und der Ausmessung der Hintergrundstrahlung manifestiert.

Die bleibende Faszination

Auch durch die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Universum ist also der ehrfürchtige Blick der Menschen „nach oben“ nicht passé. Die bleibende Faszination lässt sich auch an der Resonanz ablesen, die neuer Erkenntnisse über das Universum auslösen. Aktuelle astrophysikalische Erkenntnisse wie die Ausmessung ferner schwarzer Löcher finden stets großes Interesse.

Anschauen des Universums

Die bleibende Ehrfurcht vor dem Himmel ist bei weitem nicht immer religiös, aber sie hat eine große Nähe zu religiösen Traditionen. Der Himmel, das von uns „angeschaute Universum“ ist auch für die christliche Religion von großer Bedeutung. Die zentrale These des jungen Theologen Friedrich Schleiermacher in seinen Reden „Über die Religion“, die schon über 200 Jahre alt sind, lautet: „Anschauen des Universums, ich bitte befreundet Euch mit diesem Begriff (…) er ist die allgemeinste und höchste Formel der Religion (…).“

Gottes Schöpfungsmacht

Die biblischen Texte bestätigen die Bedeutung des Himmels. In vielfältiger Variation machen sie deutlich, dass die irdischen Verhältnisse nicht ohne den Bezug zum Himmel verstanden werden können. Der Himmel steht für eine göttliche Nähe in der Schöpfung. Gott ist nicht ein abstrakter Gott (jene höhere Macht, die wir alle verehren…), sondern derjenige, der die Schöpfung in der Zweiteilung von Himmel und Erde geschaffen hat und der in der Gestalt des Jesus von Nazareth auf die Erde gekommen ist.

Unterscheidung von heaven und sky?

Aber muss heute nicht klar zwischen dem wissenschaftlichen Himmel (sky) und dem religiösen Himmel (heaven) unterschieden werden? Die beschriebene Faszination und Ehrfurcht gegenüber dem Universum zeigen: Der Himmel ist auch heute kein neutraler Raum, der die Erde einfach umhüllt. So kann auch der Himmel als wissenschaftlich beschriebenes Universum als Ort göttlicher Präsenz wahrgenommen werden. Es ist dann ein Ausweis für die den Menschen weit übersteigende Dimensionen, sie kann so ein Hinweis sein für die Schöpfermacht Gottes. Wer so auf das Universum blickt, die und der sieht auch das Leben auf der Erde anders.

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(1) Eine echt komplizierte Beziehung: Unsere Welt und das Reich Gottes

Ein Blick zurück

Die Rede vom Reich Gottes war im 19. Jahrhundert und im 20. Jahrhundert in der christlichen Theologie immer wieder außerordentlich populär. In vielen theologischen Entwürfen erschien es als eine bewegende Kraft, die die Welt verändern soll. Das Reich Gottes bildete etwa einen christlich fundierten Orientierungspunkt für den steten menschlichen Fortschritt oder es war eine theologische Quelle politischer Kritik an den herrschenden Verhältnissen.  

Die westlichen Gesellschaften der vergangenen zwei Jahrhunderte, die Zeit der Moderne, waren von einer Ausrichtung auf Zukunft bestimmt. Der Historiker Lucian Hölscher hat in einer umfangreichen Studie herausgearbeitet, dass diese Zukunft eine Entdeckung aus unserer Epoche, aus der Epoche der Moderne ist. Nach der Französischen Revolution und mit der Industrialisierung taucht die Zukunft erstmals als das auf, was uns so selbstverständlich ist, als ein eigenständiger Raum auf, der sich in die kommende Zeit hin öffnet. Die Welt wird variabel, gestaltbar. Auf den imaginierten Zukunftsraum richten sich viele Erwartungen und Hoffnungen. Besonders stark war die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Hölscher in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts und dann wieder in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Die Identifizierung gesellschaftlicher Zukunftserwartungen und der Rede vom Reich Gottes

Die Theologie ist mit ihren Interpretationen des Reiches Gottes diesen gesellschaftlichen Trends gefolgt. Am Ende des 19. Jahrhunderts dominierte eine liberale Theologie, die eine „Reich Gottes“ Arbeit forderte, ein stetes Wirken an der Verbesserung der Verhältnisse, die mit dem wirtschaftlichen, technischen und wissenschaftlichen Fortschritt einher gingen. Dazu war eine innere Haltung erforderlich, die des gesitteten, modernen Menschen. Das Reich Gottes wurde zu einem inneren Kompass. Diese Theologie wurde mit den Gräuel des Ersten Weltkrieg stark geschwächt. Im 20. Jahrhundert, vor allem in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 60er Jahren wurde eine Reich Gottes Theologie populär, die in den grundlegenden, auch revolutionären Veränderungen der Gesellschaft, in der Bekämpfung von Ungerechtigkeit und Ausbeutung ihre Ziele sah. Am bekanntesten wurde der Entwurf von Jürgen Moltmann: „Die Theologie der Hoffnung“.

Die Grenze menschlicher Handlungsmöglichkeiten

Diese Entwürfe sind davon geprägt, dass sie Möglichkeiten menschlichen Handelns, die Gestaltung von Zukunft eng mit Reich Gottes Erwartungen verbinden. Doch genau da liegt eine gravierende theologische Gefahr. Werden hier nicht weltliche Verhältnisse und menschliche Handlungsoptionen zu schnell mit theologischen Beschreibungen des Reich Gottes kurzgeschlossen? Kann eine biblisch begründete Rede vom Reich Gottes mit bestimmten politischen Handlungen der Moderne identifiziert werden?

Nun hatte die Reich Gottes in den Predigten Jesu ohne Zweifel mit der vorfindlichen Welt zu tun, es geht nicht um irgendein getrenntes Jenseits. Seine Predigten waren sehr diesseitig, die Gleichnisse nahmen die Erfahrungen einer agrarischen Alltagswelt auf und nutzten sie für die Beschreibung des nahen Reiches Gottes. Aber das ist etwas anderes als die Identifizierungen mit bestimmten gesellschaftlichen Erwartungen an die Zukunft. Vor allem betonen die Gleichnisse vom Reich Gottes Jesu immer wieder und wieder die Grenzen menschlicher Handlungsmöglichkeiten!

Unsere Welt und das Reich Gottes: Nähe und Differenz

Das Verhältnis der Predigt vom Reich Gottes zu unserer Welt ist also kompliziert. Eine Identifizierung ist kurzschlüssig und hielt in der Regel auch nicht lange. Hierdurch erwies sich die Theologie vordergründig als gesellschaftlich relevant. Aber es mündete auch in der Unterstützung des Ersten Weltkrieges durch viele liberale Theologen. Eine deutliche Enttäuschung folgte. Die dialektische Theologie erhob nach dem ersten Weltkrieg einen sehr berechtigten Protest gegen eine liberale Rede vom Reich Gottes, die sich sehr der vorherrschenden bürgerlichen Gesellschaft angepasst hatte. Wie auch immer vom Reich Gottes geredet werden kann, es muss so geschehen, dass die Differenz und Distanz zur Welt, in der wir leben, gewahrt bleibt. Die Botschaft von der Nähe lässt trotz der Nähe keine Identifizierungen zu.

Warum die Rede vom Reich Gottes dennoch wichtig ist

Trotz dieser unübersehbaren Gefahr kurzschlüssiger Identifizierungen möchte ich in den folgenden Blogbeiträgen auch an der Rede vom Reiches Gottes anknüpfen. Denn es bietet viele Möglichkeiten, theologische Aussagen auf unsere Welt zu beziehen, diese Welt in Frage zu stellen und zu ihrer Veränderung beizutragen. Es geht dann aber nicht um eine Identifizierung einer politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Option mit dem Reich Gottes, es geht nicht um eine kurzschlüssige Reich-Gottes-Arbeit. Das Reich Gottes ist vor allem und zunächst einmal eine Sache Gottes.

Doch lässt die Ansage des nahen Gottesreiches die Menschen nicht ruhen. Durch die nach wie vor gültige Ansage des nahenden Reiches Gottes wird die Welt einer grundlegenden Kritik unterzogen. Dies gilt auch für die theologischen Positionen und Ausarbeitungen, die sich einerseits kritisch zur Welt verhalten sollen und doch immer auch Teil dieser Welt sind. Die Rede vom Reich Gottes ist für die Theologie deshalb immer auch Grund zur Selbstkritik.

Es kommt also viel darauf an, wie das Reich Gottes zur Welt in Beziehung gesetzt wird. Wenn diese Differenz beachtet wird und das Reich Gottes nicht als Bestätigung theologischer, kultureller, gesellschaftlicher Positionen verwendet wird, sondern zu ihrer immer neuen Kritik und Motivation der Veränderung, dann kann diese Rede vom Reich Gottes gerade auch den Impuls der dialektischen Theologie vor 100 Jahren aufnehmen! Es geht um die Differenz zwischen unserer Welt und dem Reich Gottes, aber eine Differenz, die nicht schiedlich, friedlich trennt, sondern immer wieder die Verkündigung des Reiches Gottes kritisch auf die Welt bezieht und damit die Welt in Bewegung setzt.

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Eine epochale Zäsur in der Klimapolitik

Die Ergebnisse der Wahlen in den USA treffen viele Menschen direkt und emotional. Dafür gibt es viele gute Gründe. Es ist immer etwas gewagt, so unmittelbar nach einem relativ überraschenden großen Ereignis über dessen Wirkungen zu reden. Und doch zeichnen sich Folgen ab, die sehr weitreichend sein werden für die politische Kultur in den USA, aber auch in Europa.

Das Project 2025

Im Zentrum der Aktivitäten der künftigen, von Trump geführten Regierung soll das „Project 2025“ stehen, eine Aufstellung von Regierungszielen, die der rechte Think Tank Heartland Institute in enger Abstimmung mit dem Trump Team aufgestellt hat. Durch diesen umfassenden Plan auf mehreren hundert Seiten unterscheidet sich der kommende Regierungsantritt Trumps von dem im Jahr 2017 fundamental. Nach der überraschenden Wahl 2016 hatte Trump lose Ideen, kein festes Programm, kein größeres Team. Das ist jetzt anders. Die kommenden Schritte sind alle recht detailliert geplant. Inwieweit sie sich durchsetzen lassen, mag offen sein. Aber ihre Umsetzung ist bei den Akteuren der kommenden Trump Administration fest im Blick.

Die künftige Energiepolitik

Die Wirkungen werden weitreichend sein und auch über die amerikanische Gesellschaft hinaus gehen. Ich möchte nur einen Punkt beispielhaft hervorheben: Die Energiepolitik. Die kommende Trump Regierung wird, sollte sie die Vorgaben des Project 2025 umsetzen, alle verfügbaren Energieressourcen für das Wachstum der US- amerikanischen Wirtschaft nutzen, einerlei ob es fossile Energiequellen sind oder regenerative. Klimapolitische Ziele werden aufgegeben. Weitere Öl- und Gasvorkommen sollen erschlossen werden.

Die Treibhausgasemissionen der USA

Die Folgen sind gravierend: Zunächst sind die USA auch jetzt schon, nach vier Jahren Biden und 8 Jahren Obama Administration der zweitgrößte Emittent von Treibhausgasen. Schon jetzt ist es so, dass die weltweiten Klimaemissionen ohne Unterlass steigen, 2023 war wieder ein Rekordjahr.

Wenn nun durch die neue Ausrichtung fossile Energiequellen in den USA ohne Einschränkung erschlossen und genutzt werden sollen, werden viele weltweite klimapolitischen Ziele Makulatur sein. 

Der Kampf um billige Energie

Noch gravierender sind die klimapolitischen Folgen durch die wirtschaftlichen Zwänge, die damit einher gehen. Trump sprach in seinen Wahlkampfreden immer wieder davon, die Energiepreise in den USA durch die größere Verfügbarkeit innerhalb eines Jahres zu halbieren. Das bevorzugt im internationalen Wettbewerb den Produktionsstandort USA, Trump rechnet offenkundig damit, dass inflationäre Folgen seiner Zollpolitik durch die geringeren Energiekosten eingefangen werden können.

Der weltweite Wettbewerb

Doch lösen deutlich geringere Energiekosten eine Kaskade aus, die sich auf Wettbewerber, auf Schwellenländer, aber auch Europa auswirken werden. Unternehmen mit energieintensiver Produktion werden sich gut überlegen müssen, wo sie längerfristige Investitionen tätigen. Die Länder werden darum wetteifern, preisgünstige Energie zur Verfügung zu stellen. Die Zurückhaltung gegenüber fossilen Energien gerät gerade in den Schwellenländern stark unter Druck. Die Klimapolitik wird allein dadurch schwächer, dass immer mehr Akteure sich aus wirtschaftlichem Druck anpassen müssen. Das wird für klimapolitische Anliegen zu einer „slipping slope“, zu einer schiefen Bahn, Standards, die vielleicht schon erreicht worden sind, werden wahrscheinlich wieder in Frage gestellt.

Es wird spannend sein, wie die Entwicklung in den USA die kommende UN Klimakonferenz COP 29 in Aserbaidschan beeinflussen wird. Auch für Europa und besonders für Deutschland wird das zu einer großen Herausforderung. Wie können die klimapolitischen Beschlüsse auf nationaler und europäischer Ebene bewahrt werden, wenn sie mit wettbewerblichen Nachteilen einhergehen? Klimaspezifische Zölle gegenüber Produzenten, die extensiv fossile Energiequellen nutzen, sind schon länger im Gespräch. Doch auch eine solche Zollpolitik kann nicht alle Probleme lösen: Die Einfuhren lassen sich zwar eingrenzen, aber die Exporte sind trotzdem aufgrund der hohen Kosten im Wettbewerb gefährdet.

Wie die Zeit der Energieumstellung überstehen?

Ohne Zweifel sind in langer Sicht regenerative Energiequellen die kostengünstigste Weise, Energie bereitzustellen. Doch gibt es erhebliche Kosten in der Phase der Umstellung. Die aber dauert noch etliche Jahre, etwa zwei Jahrzehnte. Kein Land mit Industrieproduktion kann es sich leisten, über einen solch langen Zeitraum Wettbewerbsnachteile zu erleiden. Kein Staat kann auf lange Sicht die eigene Produktion subventionieren.

Diese wenigen Überlegungen zeigen, welche weitreichenden Folgen eine klimapolitische Wende einer Regierung Trump zur Folge haben wird! Das Project 2025 stellt für die klimapolitischen Ziele eine fundamentale Herausforderung dar. Es wird sehr mühsam sein, unter den genannten Bedingungen das Ziel einer Treibhausgasneutralität aufrecht zu erhalten.

Weitere Informationen zum Project 2025: https://www.project2025.org/policy/

(7) Apokalyptische Hoffnung?

Auf erstem Blick wirken beide Begriffe der Überschrift wie ein Widerspruch: Die Apokalyptik befasst sich mit Endzeitschlachten, mit Weltuntergangsszenarien, mit Zerstörung und Vernichtung. Ganz anders dagegen die Hoffnung, die doch bei dem Positiven ansetzt, auf das Gute in der Zukunft vertraut. Wie sollten beide zu vereinen sein, wie sollte es „apokalyptische Hoffnung“ geben können?

Der populäre Begriff Apokalypse

Wenn nun diejenigen Geschichten, die in Kinofilmen und manchen Romanen unter Apokalyptik zusammen gefasst werden, das Maß für Apokalyptik darstellen, dann sind mit ihr tatsächlich nahezu hoffnungslose Geschichten bezeichnet. Anders ist es allerdings, wenn mit Apokalypse jenes Buch der Bibel gemeint ist, dass einem Johannes von Patmos zugeschrieben wird: Die Offenbarung des Johannes, das letzte Buch der Bibel.

Zu dem Begriff Apokalypse

Eine kurze Erläuterung zum Begriff der Apokalyptik: Von der Offenbarung des Johannes ist auch die Gattungsbezeichnung abgeleitet: Apokalyptik. „apokalyptein“ ist griechisch und bedeutet so viel wie „aufdecken, offenbaren“. Die Stilmittel dieser Apokalypse sind in manchen antiken jüdischen und christlichen Texten identifiziert worden, worauf der Sammelbegriff Apokalyptik entstand.

Der Anfang der Offenbarung des Johannes

Wieso sollte die Offenbarung des Johannes eine andere Perspektive auf das Thema Hoffnung eröffnen? Der Text beginnt mit den Worten: „Dies ist die Offenbarung Jesu Christi.“ (Kapitel 1 Vers 1) Das heißt, von Beginn an knüpft der Text an das Zeugnis von Jesus Christus an, an das Evangelium, die Frohe Botschaft. Schon im dritten Vers heißt es: „Selig ist, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben steht; denn die Zeit ist nahe.“ (Kapitel 1, Vers 3) So beginnt kein Weltuntergangsszenario, keine Geschichte, die Angst und Panik schürt, sondern eine Darstellung, die zum Durchhalten aufruft, die die Hörenden und die Lesenden als die Seligen anspricht.

Schwache Stimmen der Hoffnung

Was dann folgt, ist allerdings heftig, leidvoll und auch atemberaubend zerstörerisch. Das macht verständlich, warum viele mit diesem Buch in der Bibel hadern: So viel Leid, so viel Zerstörung. Wozu das Ganze, möchte man ausrufen! Aber mitten im Zerstörungsrausch kommt eine Stimme zu Wort, die das Lied des Lammes singen, ein Lobpsalm: „Groß und wunderbar sind Deine Werke, allmächtiger Gott.“ (Kapitel 13, Vers 3). Dieses Lied steht wie ein großes Dennoch gegenüber den Plagen und Kriegen und Zerstörungen.

Das große Hoffnungsbild

Schließlich endet die Offenbarung des Johannes mit dem großen Finale: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen.“ (Kapitel 21 Vers 1) Zu hören ist eine Stimme: „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen (…) und Gott wird abwischen alle Tränen.“ (Kapitel 21 Verse 3,4) So reiht sich das Buch schließlich ein in das Evangelium von dem Auferstandenen, der frohen Botschaft, die eine neue Schöpfung verkündet.

Hoffnung auch im Angesicht von Leid

Dennoch bleiben die drastischen Darstellungen. Das macht diese Hoffnungsgeschichte sperrig und schwer verdaulich. Wenn es schon so viel Leid in der Welt gibt, wer will dann das auch noch lesen? Vielleicht aber steckt gerade in dem Aussprechen des Leides auch eine Stärke des Textes!? Denn an dem Leid der Welt sieht er nicht vorbei. Wenn Hoffnung nur wäre, wenn wir die Augen vor dem Leiden und den Zerstörungen verschließen, dann ist Hoffnung doch das, was Religionskritiker ihr immer vorgeworfen haben: Eine Flucht aus der Realität, eine Vertröstung auf ein diffuses Jenseits. Es ist gerade eine Stärke des Textes, nicht zu kaschieren und schön zu malen.

Die großen Gefahren der apokalyptischen Bilder

Doch Gutes und Schlechtes sind hier nah beieinander. Ohne Zweifel kann der Text leicht missbraucht werden, um Gewalt zu bagatellisieren oder, noch schlimmer, um sie als notwendig zu erklären. Von diesem Text geht deshalb eine Gefahr aus.

Es gibt eine weitere, wichtige Einschränkung: Das Böse und die Gewalt üben eine eigentümliche Faszination aus. Jesus Christus als das Lamm Gottes, oft dargestellt in Kirchen, kommt im Text an mehreren Stellen vor, wirkt aber weniger interessant. Viel interessanter erscheinen der Drache, das Tier mit den Hörnern, die Hure Babylon. Gerade das hat in der breiten Rezeption viel Aufmerksamkeit gefunden. Doch im Mittelpunkt steht das Lamm, Jesus Christus, mit ihm beginnt der Text und mit ihm endet er auch.

Trotzige Hoffnung

Die Offenbarung des Johannes ist eine sperrige, eine trotzige , sicherlich auch eine gefährliche Hoffnungsgeschichte. So ist sie auch Teil der biblischen Tradition. Vielleicht kann sie helfen, christliche Hoffnung und ihre Dimensionen noch einmal anders zu entdecken? Eine Hoffnung, die bestehen bleibt, auch wenn wir die Augen aufmachen und die Welt in ihren Verwerfungen sehen?

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