Über diesen Blog

Was bedeutet es heute, an Gott zu glauben? Welche Behauptung stellt man auf, wenn man in unserer naturwissenschaftlichen Kultur sagt, dass Gott existiert? Diese Fragen begleiten meinen Lebensweg. Parallel zum Ingenieurstudium haben mich philosophische und theologische Texte beschäftigt, im Theologiestudium ging es auch um ein Verständnis von Wissenschaft und Technik. An der Evangelischen Akademie im Rheinland beschäftigt mich der Dialog zwischen Naturwissenschaften und Theologie.

Die Verunsicherung des christlichen Glaubens in unserer Zeit ist nicht vom Himmel gefallen, sondern ist die Folge einer jahrhundertelangen kulturellen Entwicklung. Wie umfassend diese Veränderungen sind, zeigt eine pointierte Frage: „Warum war es in unserer abendländischen Gesellschaft beispielsweise im Jahr 1500 praktisch unmöglich, nicht an Gott zu glauben, während es uns im Jahr 2000 nicht nur leichtfällt, sondern geradezu unumgänglich vorkommt?“ (Charles Taylor)

Die modernen Herausforderungen an den christlichen Glauben kommen nicht in den Blick, wenn man sie als eine rein religiöse Angelegenheit beschreibt. Die Fragen sind vielmehr Folge eines tiefgreifenden Wandels unserer Kultur, sie haben viel zu tun mit den verbreiteten Vorstellungen von der Welt als einer objektiven Größe und von dem Menschen als eines in sich abgeschlossenen Individuums. Kommt da Gott als weitere unbekannte Größe noch hinzu?

Was aber ist, wenn man die Welt als offene Wirklichkeit beschreibt, was ist, wenn wir unsere Existenz einer vielfältigen Verbundenheit verdanken, was ist, wenn der christliche Glaube ein Ausdruck für die Erfahrung radikaler Verbundenheit verstanden wird? Mir haben die philosophischen Ansätze von Maurice Merleau-Ponty, von Paul Ricoeur und Bernhard Waldenfels geholfen, diese Fragen klarer zu formulieren.

Der Ausdruck „Chiasmus“ leitet sich von dem griechischen Buchstaben X (Chi) her. Worauf weist das hin? Die moderne Sicht auf die Wirklichkeit ist durch ein Gegenüber geprägt, symbolisiert durch das Gegenüber zweier paralleler Striche: I I. Besonders wichtig ist etwa das Gegenüber von Subjekt und Objekt. Der Chiasmus (X) entsteht dadurch, dass man die Linien des Gegenübers zueinander kippt. Das X weist darauf hin, dass jedes Gegenüber aus einer ursprünglichen Verbundenheit, aus einer Verschränkung stammt. Der christliche Glaube kann als eine Weise verstanden werden, aus einer radikalen Verbundenheit zu leben.

Man kann dann auf neue Weise fragen: Was ist der Mensch? Was wissen wir über die Welt? Was zeigt sich, wenn wir von Gott reden? – Mir ist bei der Beschäftigung mit den Fragen deutlich geworden: Der christliche Glaube kann eine Weise sein, unsere Wirklichkeit neu zu entdecken.

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(Foto: Andrea Zmrzlak)